Language   

Die drei Soldaten und die Reichen

Bertolt Brecht
Language: German



Die Reichen saßen in ihrem schönen Haus
Und sagten laut: Der Krieg ist aus.
Das war natürlich gar nicht wahr:
Der Krieg auf dem Papier war gar
Aber genau wie in den Kriegen
Starben die Leute wie die Fliegen
Und die Leute waren noch gar nicht alt
Da kam schon der Tod in vieler Gestalt.
Und zwar kam der Tod zu den ärmeren Leuten
Sie wussten schon gar nicht mehr, was das bedeutet
Sollte, denn was immer sie taten
Immer kamen die Soldaten.
Selbst wenn sie sich alles gefallen ließen
Kamen die Drei mit dem Erschießen
So dass sie bald nicht mehr ein noch aus wussten.
Es hießen die Drei aber Hunger, Unfall und Husten.
Das Elend war ganz riesig schon
Da kam eines Tages die Kommission
Zum lieben Gott der armen Leute.
Das saß wie gewöhnlich so auch heute
Mit den reichen Leuten gerade zu Tisch.
Und nunmehr zwischen Suppe und Fisch
Wurde Gott von der Kommission gebeten
Dem Elend der Welt entgegenzutreten.
Ihr hättet sehen sollen, was
Da vor sich ging! Das war kein Spaß:
Die reichen Leute wurden ganz blass
Die liebe Gott trinkt überhaupt sein Glas nicht aus
Und bittet die reichen Leute in sein Haus
Wo er sofort den Antrag stellt
Dass das Elend entfernt werde aus dieser Welt.
Sagten die Reichen von Mitleid voll:
"Soll man das Elend entfernen? Man soll."
Nun, denken sie weiter (die denken scharf)
Dass es natürlich nichts kosten darf.
Und bei den Kosten angekommen
Haben sie sich gleich zusammengenommen
Und sie schauten einander an und sagten:
"Man muss das Elend leider ertragen.
Leider (man muss da wieder scharf denken)
Braucht man das Elend, um die Löhne zu senken"
Da beschlossen die Reichen messerscharf
Dass das Elend nicht entfernt werden darf.
Aber sie kamen dem lieben Gott entgegen
Und ließen sich zu einem anderen Antrag bewegen:
"Du kannst das Elend nicht aufheben
Da müssen wir ja unser Geld hergeben
Du, das ist nichts für unser Ohr
Da schlagen wir dir was anderes vor:
Das Elend bleibt so wie es war.
Du kannst es nicht ausrotten ganz und gar
Aber du machst es unsichtbar!"
Das Elend sollte also zwar weiterbestehen
Aber man sollte das Elend nicht mehr sehen.
Da sagte der liebe Gott nicht nein
Und sah alles wieder ein:
"Ich kann es nicht ausrotten ganz und gar
Gut, da mach ich es unsichtbar."
Und von der Stund an, das ist wahr
War das Elend unsichtbar.
Dass die Reichen und ihr Gott das so machen
Das beweisen die Tatsachen:
In unseren Städten trotz ihres elektrischen Lichts
Sieht man von ihrem Elend fast nichts.


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