Language   

Ein Transport wird einberufen

Ilse Weber
Language: German



Morgen gehen fünftausend fort
In einem gigantischen Polentransport.
Fünftausend Menschen, Freunde, Gefährten,
die mit uns litten, mit uns entbehrten.
Wir sagen “Leb wohl” und wünschen dabei,
die ganze Qual wäre endlich vorbei.

Es ist kein gutes Gefühl zu bleiben,
wenn andre ins Ungewisse treiben.
Sie packen die Bündel mit verschlossenen Mienen,
schon klafft ein Abgrund zwischen uns und ihnen.
Es ist nur ein Zufall, dass wir blieben,
werden wir morgen weitergetrieben?

Was hält uns hier fest, dass wir klagen und jammern?
Ist es die Heimat, an die wir uns klammern?
Die Fremde ist feindselig, kalt und voll Grauen,
wir können dem Freunde ins Auge nicht schauen.
Ob er wohl verzeiht und versteht,
dass man hier bleiben mag, wenn er geht?

Dann geht er davon, in der anderen Reihn,
und man bleibt zurück, beschämt und klein.
Nein, wir sind nicht edel, wir sind nicht groß,
wir kommen vom irdischen Kram nicht los.
Und der Zug der Scheidenden ist noch nicht weit,
da sind wir schon zu vergessen bereit.


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